Anna Lea Dyckhoff, 29, ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Promotionsstudentin an der RWTH Aachen University.
(Stand 10. Sep. 2010)

„Mich fasziniert vor allem, dass man so viele Möglichkeiten hat an den unterschiedlichsten Projekten zu spannenden, modernen Themen beteiligt zu sein und das meistens in interdisziplinären Teams zusammengearbeitet wird.“

Was waren Ihre ersten (aktiven) Erfahrungen mit Informatik?

Rückblickend habe ich meine ersten „aktiven“ Informatik-Erfahrungen während eines einjährigen Auslandsjahres in den USA gemacht. Ich fand Computer bereits spannend, weil ich daheim in Deutschland als eine von wenigen meiner Altersgenoss(inn)en schon einen Computer im Kinderzimmer stehen hatte, den ich allerdings nur sporadisch für Hausaufgaben oder kleinere (Lern-)Spiele nutzte. Ich hatte schon etwas über ein gewisses „Internet“ in einer Jugendzeitschrift gelesen und war sehr angetan von der Idee des „Chattens“, auch wenn ich es selbst noch nicht richtig ausprobiert hatte. Mit diesem Hintergrund wählte ich in meiner amerikanischen High School einen Computerkurs. Nachdem eine junge Informatiklehrerin uns in die geschicktere Benutzung von Office-Programmen eingewiesen hatte, durfte ich zum einem das erste Mal in meinem Leben das Innenleben eines Rechners sehen und zum anderen ein Frage-Antwort-Quiz programmieren. Das Erfinden und Entwickeln des Quiz hat mir dann soviel Spaß gemacht, dass ich einige Freistunden freiwillig im Computerraum verbrachte. Zeitgleich konnte ich meine ersten längeren Interneterfahrungen (E-Mails schreiben, Webseiten aufrufen und chatten) mit Hilfe des Modems meiner amerikanischen Gastfamilie vertiefen.

Haben bzw. hatten Sie ein „Informatik-Vorbild“ – wenn ja, wen und warum?

Ich habe kein richtiges Vorbild, eher würde ich sagen, dass es einige Personen gibt, die mich dazu motiviert haben, Informatik zu studieren. Zu diesen Personen würde ich meinen Vater zählen, meine Informatik-Lehrerin in den USA und eine Studentin, die ich während eines Schnupperstudiums an der Hochschule kennenlernte. Mein Vater hat mich immer ermuntert mein mathematisches Interesse auszubauen und hat mir meinen ersten Computer geschenkt. Die Informatik-Lehrerin war die erste Frau, die ich als Informatikerin erlebt habe und an der Studentin fand ich ihre Motivation am Studium faszinierend.

Was interessiert Sie an Informatik besonders?

Mich fasziniert vor allem, dass man so viele Möglichkeiten hat an den unterschiedlichsten Projekten zu spannenden, modernen Themen beteiligt zu sein und das meistens in interdisziplinären Teams zusammengearbeitet wird.

In welcher Form beschäftigen Sie sich auch in der Freizeit mit Informatik?

In meiner Freizeit versuche ich eigentlich mich mit anderen Dingen als mit meiner Arbeit, also Informatik, zu beschäftigen. Generell ist aber das logische und strukturierte Denken, dass ich mir während des Informatikstudium angeeignet habe sehr hilfreich in vielen Situationen des Alltags. Allein schon, wenn ich im Gespräch mit jemanden versuche ein Rätsel oder Problem zu lösen, wie z.B. wo der Hausschlüssel ist, gehe ich unbewusst nach strukturierten Methoden der Informatik vor. Außerdem kann ich mir viele Dinge, in denen Informatik steckt nicht mehr wegdenken. In meiner Freizeit, wie während der Arbeit auch, ist insbesondere das Internet zu einem Wesentlichen Hilfmittel der Kommunikation mit Freunden und Bekannten geworden.

Welche Hobbies haben Sie sonst noch?

🙂 Sie meinen neben Informatik? Keine.

Nein, Scherz beiseite: Informatik ist eigentlich eher nicht mein Hobby. Als Hobbys sehe ich eher andere Aktivitäten. In meiner Freizeit treffe ich mich gerne mit Freunden und meinen Schwestern. Ich mache gerne Sport. Zum Beispiel gehe ich zurzeit gerne joggen oder ins Fitness Studio. Ich gehe auch gerne shoppen. Ich fotografiere oder male gerne. Wenn ich mich entspannen möchte, lese ich oder schaue einen guten Film, am liebsten im Originalton. Ich bin auch freiwillig Mentorin für Schülerinnen, mit denen ich mir dann regelmäßig Emails schreibe. Ab und an gehe ich auch mit meinem Freund fliegenfischen oder mache Ausflüge zu interessanten Städten und Orten.

Welche Informatik-Systeme bzw. -Werkzeuge (Software, Kommunikationsgeräte,…) nutzen Sie derzeit?

Puhhh… soviele. Wenn ich nur die am häufigsten genutzten Systeme nenne, fallen darunter (auf Position Nummer eins) mein Mobiltelefon (eins von diesen, die sehr viele Funktionen und Internetzugang haben), mein Computer bzw. Netbook, mein E-Mailprogramm und natürlich der Internetbrowser, die Kaffeemaschine, die digitale Spiegelreflexkamera, Fotoverwaltungs- und bearbeitungssoftware und vermutlich Ec-Automaten 🙂

Was war Ihr größtes Informatik-Erfolgserlebnis?

Das größte persönliche Informatik-Erfolgserlebnis war mein Diplom-Zeugnis in den Händen zu halten.  Auf der Arbeit ist es für unser Team immer sehr schön, wenn Nutzer des von uns entwickelten Lernportals uns sagen, dass sie das System gern verwenden und praktisch finden.

Was bedeutet Informatik für Sie?

Logik, Vielfalt, Interdisziplinariät, Teamarbeit, Daten, Spaß & Frust, Probleme lösen, Computer, Mensch-Maschine-Interaktion, Programme, Design, Kommunikation, Benutzerfreundlichkeit, Intelligenz, Zielgruppenorientierung, Evaltuation, Programmieren, Genialität, Kreativität, Spielerei, Kritisches Denken, Lernen, Allgegenwärtigkeit…

Nennen Sie uns Ihr „originellstes“ Erlebnis mit Informatik:

Bei einem Spaziergang durch eine Austellung der Abschlussarbeiten von jungen Nachwuchsdesignern stand ich plötzlich vor einer idylischen Szene – einem Baum, der nach und nach weiße Blätter fallen ließ und unter ihm hatte sich schon ein Hügel dieser Blätter angesammelt. Bei näherem Hinsehen sah ich, dass der Stamm des Baumes aus Kabeln bestand, welche gebündelt aus einem Laptop kamen und sich über meinem Kopf immer mehr in Äste aufteilten. Am Ende jedes Kabels hing jeweils eine kleine Papierrolle und dazu eine dieser kleinen Maschinen, die Quittungen an einer Ladenkasse abschneiden. Diese bekamen ab und an wie zufällig einen Impuls durch das Programm auf dem Laptop, wodurch ein Stücken Papier abgeschnitten wurde und sanft zu Boden trudelte. Ich war von diesem „technischen“ Designobjekt, das so naturnah wirkte, absolut hingerissen, weil es meine Hauptinteressen (Technik und Kunst) kreativ vereint hat.

Haben Sie während der Schulzeit oder Ausbildung bzw. neben Schule und Studium bereits berufliche Erfahrung gesammelt oder sich anderweitig im Bereich Informatik engagiert? Bitte beschreiben Sie kurz Ihre Erfahrungen:

Ich habe mir während meines Studiums früh Nebenjobs als studentische Hilfskraft gesucht. Dadurch konnte ich gleichzeitig mein Taschengeld aufbessern und mehr über mein bevorzugtes Vertiefungsgebiet, wie z.B. das Computergestütze Lernen, erfahren.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf besonders? Was würden Sie verbessern?

Mir gefällt Team- und Projektarbeit. Ich bin gerne daran beteiligt, ein neues System zu konzipieren und zu entwickeln. Insbesondere macht mir dabei der Kontakt zu den Entnutzern Spaß. Vor der eigentlichen Entwicklung muss klar definiert und in Usability-Studien untersucht werden, was die Nutzer überhaupt brauchen. Die Aufgabe diese Anforderungen herauszufinden und in ein logisches, funktionierendes Konzept zu bringen gefällt mir. Für mich ist Benutzerfreundlichkeit ein wichtiges Thema und ich denke, dass viele Systeme bzw. Software in dieser Hinsicht noch großen Verbesserungsbedarf haben. Meine Hoffnung ist, dass dies in Zukunft von immer mehr Softwareunternehmen erkannt wird. Leider wird häufig aus akuten Zeit- und Geldgründen auf wichtige Nutzerstudien verzichtet, was im Nachhinein die Wettbewerbsfähigkeit eines Produkts stark beeinträchtigen kann. Leider wird sowas dann häufig ignoriert bis zuviele Beschwerden kommen oder Kaufzahlen zurückgehen. Außerdem würde ich mir wünschen, dass mehr Nutzer/innen beim Kauf eines Produktes explizit Wert auf eine gute Gestaltung legen würden, dass auch ohne langes Lesen von Anleitungen bedienbar ist.

Nennen Sie uns bitte drei wichtige Voraussetzungen für Ihren Beruf.

– die Fähigkeit, sich zu konzentrieren und logisch zu denken
– eine hohe, lebenslange Lernbereitschaft
– Kreativität und Erfindergeist

Beschreiben Sie bitte drei bedeutende Tätigkeiten eines typischen Arbeitstages.

– mit Kollegen oder Kunden kommunizieren und einander beraten (mündlich oder per Email)
– konzentriert verschiedene Texte lesen oder eigene Gedanken sortiert niederschreiben/aufzeichnen
– Zeitpläne im Blick haben und einschätzen welche Aufgabe als nächstes bearbeitet werden muss (Projektmanagement)

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Beruflich möchte ich nicht auf der Stelle stehen, sondern immer wieder von neue Herausforderungen gestellt werden und weiter lernen. Ob ich in der Wissenschaft bleibe oder nach Abschluss meiner Doktorarbeit eher in die Wirtschaft gehe, weiß ich noch nicht. Das hängt vermutlich davon ab, wie gut die Chancen sind das eine oder andere mit meinem Wunsch zu vereinbaren, irgendwann eine Familie zu gründen, für die ich natürlich auch etwas Zeit haben will.

Zuletzt: haben Sie einen Tipp für Jugendliche, die sich für ein Studium oder eine Ausbildung im Bereich Informatik interessieren?

Besucht Universitäten und Unternehmen, setzt euch einfach mal in Vorlesungen oder geht auf Messen und redet mit Studenten, Absolventen und beruftätigen Informatiker/innen. Es gibt bereits viele Angebote speziell für Schüler/innen, aber ihr könnt auch einfach so mal die Initiative ergreifen und fragen, ob man sich etwas anschauen darf, was bisher noch nicht im Standardangebot ist. Wenn ihr dann tatsächlich Informatik studiert oder eine Ausbildung macht, dann schaut auch über den Tellerrand hinus und verfolgt trotzdem noch eure andere Interessen bzw. Hobbys. Die Informatik lebt und wird besser davon, dass sich die unterschiedlichsten Menschen mit diversen Hintergründen zusammensetzen und kreativ sind.

Kontakt:

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dyckhoff@informatik.rwth-aachen.de