Filmtipp: Plug & Pray - Von Computern und anderen Menschen

Plug & Pray - Von Computern und anderen Menschen handelt von einem uralten Menschheitstraum: der Konstruktion intelligenter Maschinen. Der Film zeichnet den aktuellen Stand im Forschungsbereich der Künstlichen Intelligenz nach, und setzt sich kritisch mit der Entwicklung, Möglichkeiten und Konsequenzen maschinellen Lebens auseinander.

Führende Forscher auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz stellen ihre Forschungsprojekte vor und präsentieren ihre Visionen, wie Computertechnologie unser Leben verändern wird. Dabei sind viele Entwicklungen , die man aus Science-Fiction-Filmen kennt, in Forschungslaboren längst Realität. So zum Beispiel der Roboter von Hiroshi Ishiguro, der exakt wir er selbst aussieht und Emotionen simuliert. Oder der "iCub" von Giorgio Metta, der als lernfähiger Roboter am Ende die Fähigkeiten eines dreijährigen Kindes haben soll. Doch die Vision der Verschmelzung von Mensch und Maschine wird auch kritisch betrachtet.
Joseph Weizenbaum, Computerpionier, ehemaliger MIT-Professor* und Erfinder von ELIZA, regt mit seinem  technikskeptischen Humanismus den Zuschauer zum Nachdenken an und  zeigt die Gefahren des Fortschrittsglaubens auf. Am Ende steht die Frage, ob die Vision von der Verschmelzug von Mensch und Maschine Segen oder Fluch ist.

Der Film "Plug & Pray" kommt am  11. November in die Kinos.

Mehr Informationen zum Thema Robotik findet ihr bei dem Robotik Spezial von wissen.ARD.de.

Plug & Pray – Von Computern und anderen Menschen

Der Bonner Regisseur Jens Schanze präsentiert in seinem jüngsten Film Plug & Pray einen kritischen Diskurs über die Robotikforschung und Künstliche Intelligenz. Die Dokumentation ist jedoch weit mehr als die bloße Vorstellung neuester wissenschaftlicher Errungenschaften im Bereich der digitalen Revolution und der Frage nach dem technisch Möglichen. Der Film sucht vielmehr nach der Sinnhaftigkeit und Philanthropie des technologischen Fortschritts und porträtiert in diesem Kontext zwei konträre Positionen: Technikgläubigkeit versus Technikskepsis.

In diesem Spannungsfeld entgegengesetzter Weltsichten verortet Jens Schanze die Protagonisten und ihre Zukunftsvisionen. 
Dazu stellt er international renommierte Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen der Informatik vor, die akribisch an Zukunftstechnologien arbeiten und deren Innovationspotentiale und damit verbundenen Konsequenzen für den Menschen nur schwer einzuschätzen sind. So präsentiert der Japaner Hiroshi Ishiguro einen Androiden, den er nach seinem eigenen Abbild erschaffen hat und der ihn bei Abwesenheit ersetzen soll. Auch italienische Forscher arbeiten an lernfähigen und intelligenten Robotern, die sich mittels künstlicher Intelligenz selbst optimieren. Im Kontrast zu der zivilen Nutzung der Robotik stellt der Film auch die Entwicklung sogenannter autonomer Systeme vor, die in militärischen Konflikten zunehmend die Rolle von Soldaten übernehmen und diese ersetzen sollen. Die vielleicht weitestgehende Vision in Plug&Pray wird von Computerpionier und Zukunftsforscher Raymond Kurzweil aufgestellt, der durch den Einsatz von Nanotechnologie den aus seiner Sicht durch die Natur suboptimal konstruierten Menschen zu einem unsterblichen Wesen weiterentwickeln möchte.
Der Streifzug durch die Welt der hochkomplexen Spitzentechnologien wirft zweifelsohne auch Fragen auf. Während Experten von ihren Forschungsprojekten und Visionen erzählen, denen ein ungetrübter Fortschrittsglaube zum Nutze der Menschheit zu Grunde liegt, hinterfragt eine kritische Stimme Sinn und Zweck dieser Vorhaben und warnt vor allzu großer Euphorie und Größenwahn. Diese mahnende Instanz und zugleich zentrale Figur in Plug&Pray ist der 2008 verstorbene Computerpionier und Gesellschaftskritiker Joseph Weizenbaum. Der sich selbst als Dissident und Ketzer der Informatik bezeichnende Computerspezialist entwickelte in den 60er Jahren das Computersprachprogramm ELIZA am MIT, an dem er ab 1970 als Professor für Computer Science arbeitete, und lieferte mit seinen Forschungen unter anderem wichtige Bausteine für die Entwicklung des Arpanet, dem Vorläufer des Internet. Bereits in den 70er Jahren übte Weizenbaum Kritik an dem unreflektierten Umgang mit Computern und forderte eine verantwortungsvolle Geisteshaltung des Wissenschaftlers. Diesen grundlegenden Anspruch erneuert Weizenbaum im Film und gibt zu bedenken, dass der Einsatz von Computern in vielen Bereichen häufig irreversibel ist. Die zunehmende Entmenschlichung unserer Gesellschaft zugunsten eines zweifelhaften Fortschritts ist ein zentraler Kritikpunkt, den er vorbringt, denn sollten die im Film gezeigten Visionen einmal Realität werden, wird sich auch unser Menschen- und Weltbild ändern.
Plug&Pray eröffnet dem Zuschauer einen interessanten Einblick in ein von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerktes Feld der Hochtechnologien. Auch wenn die exemplarisch vorgestellten Projekte von den anvisierten Zielen der Forscher noch teilweise weit entfernt sind, lassen sie erahnen, welches Potential in der Computertechnologie liegt. Dies ist faszinierend, teilweise beängstigend und erinnert unweigerlich an die Büchse der Pandora. Die humanistischen Denkanstöße Joseph Weizenbaums wirken meist unaufdringlich, aber bestimmt. Seine vorgetragene Sichtweise wirkt, mag sie auch technikfeindlich klingen, stets nachvollziehbar und ruft zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Künstliche Intelligenz auf.


C. Sebaly

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