Köpfe

Patricia Cammarata

Sie ist Autorin, Bloggerin und Podcasterin. Nachdem sie ihr Diplom in Psychologie gemacht hat, arbeitete sie einige Jahre im Personalbereich unterschiedlicher Konzerne. Aufgrund ihrer Technikaffinität verschlug es sie anschließend 12 Jahre zu einem mittelständischen IT-Dienstleister, wo sie als Projektmanagerin tätig war. Aktuell arbeitet sie in der Geschäftsentwickung eines großen Unternehmens, das u.a. technische Dienstleistungen erbringt. (Stand 5. Februar 2018)

„Ich beobachte, dass ganz viele Menschen in Sachen Technik/Programmieren fürchterliche Angst haben, Dinge kaputt zu machen. Deswegen probieren sie es gar nichts erst aus. So kommt man aber nicht weiter. Übers Pläne machen und ausprobieren, aus Fehlern lernen etc. macht man doch erst Fortschritte. Naja und Backups machen und Versionen einchecken ist natürlich auch wichtig.“

Was waren Ihre ersten (aktiven) Erfahrungen mit Informatik?

Ich hab einen C16 geschenkt bekommen und mir mit BASIC erste, eigene Spiele programmiert, weil meine Datasette kaputt gegangen ist.

Haben bzw. hatten Sie ein „Informatik-Vorbild“ - wenn ja, wen und warum?

Nein. Ich wußte lange Zeit nicht mal, dass das ein Berufsbild ist oder etwas, das ich über mein Hobby hinaus machen könnte.

Was interessiert Sie an Informatik besonders? In welcher Form beschäftigen Sie sich auch in der Freizeit mit Informatik?

Ich versuche meinen Kindern das coden beizubringen. Dafür gibt es zahlreiche nette Projekte von Scratch angefangen bishin zu kleinen Robotern wie Dash, den man mit Blockly programmiert.

Welche Hobbys haben Sie sonst noch?

Bloggen und Podcasten.

Welche Informatik-Systeme bzw. -Werkzeuge (Software, Kommunikationsgeräte,...) nutzen Sie derzeit? Was war Ihr größtes Informatik-Erfolgserlebnis?

Eigentlich alles rund um meinen Blog. Hat im engeren Sinne nichts mit coden zu tun, aber ich freue mich schon, wenn ich eine gekaufte Domain auf einen anderen Provider umziehen kann, wenn ich mir ein Wordpress einrichten kann oder wenn ich mir irgendwelche Plugins erfolgreich installiere und konfiguriere.

Was bedeutet Informatik für Sie? Nennen Sie uns Ihr „originellstes“ Erlebnis mit Informatik:

Orginell fällt mir keins ein. Ich finde es nur immer wieder zum Totlachen, wenn gestaunt wird, wenn ich als Frau sagen kann “ich brauche einen VGA auf HDMI Adapter”. Es gibt so viele Vorurteile ggü. Frauen und ihrer Nicht-Technikaffinität (und –kompetenz), dass man sich nur wundern kann. Wenn man dann grob ein Verständnis dafür hat, wie z.B. Spectre funktioniert (einfach weil man Choasradio gehört hat), dann gilt man als Weltwunder.

Haben Sie während der Schulzeit oder Ausbildung bzw. neben Schule und Studium bereits berufliche Erfahrung gesammelt oder sich anderweitig im Bereich Informatik engagiert? Bitte beschreiben Sie kurz Ihre Erfahrungen:

An der Uni haben wir im Bereich Kogitive Psychologie an einer KI gearbeitet. Das war sehr spannend, v.a. weil ich da wieder von den Geisteswissenschaften eine Schnittstelle zu den Ingenieurswissenschaften hatte.

Was könnten die Schulen, die Lehrer, oder der BwInf selbst, besser machen um Leute für die Informatik zu interessieren und den Bundeswettbewerb Informatik zu motivieren?

Es fehlt eigentlich an allem. Informatik oder Computer-Unterricht, wie es ja meist heißt, das im Wesentlichen Windows-Produktschulungen. Die Kinder lernen nicht mal, dass es andere Betriebssysteme gibt oder was ein Betriebssystem überhaupt ist. Sie wissen nicht was das Internet ist, nicht was ein Server ist, nicht was Daten sind, nicht wie sich Daten durchs Internet bewegen etc. Das zieht sich durch bis ins Studium. Ich hatte wirklich schon Bewerber für Praktikumsstellen, die schon einen Bachelor in Informatik hatten ohne jemals eine Zeile programmiert zu haben. Deswegen weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll mit den Ideen und Tipps die ich hätte. Zu allererst wahrscheinlich: Praktische Erfahrungen sammeln lassen und ermutigen einfach zu machen. Ich beobachte, dass ganz viele Menschen in Sachen Technik/Programmieren fürchterliche Angst haben, Dinge kaputt zu machen. Deswegen probieren sie es gar nichts erst aus. So kommt man aber nicht weiter. Übers Pläne machen und ausprobieren, aus Fehlern lernen etc. macht man doch erst Fortschritte. Naja und Backups machen und Versionen einchecken ist natürlich auch wichtig. Aber das sind alles Dinge, die man total einfach lernen kann.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf besonders? Was würden Sie verbessern?

Mir hat in meinem Beruf als IT-Projektleiterin v.a. gefallen, dass ich zwischen Kunden und Software-Entwicklern vermitteln konnte. Da gibt es Anforderungen und Ideen auf der einen Seite und Budgets und Zeitpläne auf der anderen. Irgendwie muss man zusammen kommen. Dieses Zusammenkommen ist sehr spannend. Ich habe außerdem gelernt kleine Schritte Richtung Ziel zu gehen und dass enge Absprachen viel besser sind als lange Konzeptionierungen. Super befriedigend ist auch, dass man am Ende des Tages Ergebnisse hat.

Nennen Sie uns bitte drei wichtige Voraussetzungen für Ihren Beruf.

Gelassenheit, Organisationstalent und Kommunikationsfährigkeiten.

Inwieweit hat deine Schule / haben deine Lehrer dich bei der Teilnahme am BwInf unterstützt?

Ich wurde in dieser Hinsicht kein bißchen unterstützt. Ich bin schließlich eine Frau. Mir wurde immer nahe gelegt, irgendwas zu machen, was mit Fürsorge oder Kreativität zu tun hat. Ich wünsche mir mehr Lehrerinnen und Lehrer die nicht auf das Geschlecht des Kindes schauen und Vorurteile bedienen, sondern die auf Interessen und Fähigkeiten schauen und entsprechend fördern.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Ich habe selber nie als Software-Entwickelerin gearbeitet, bin aber sehr technikaffin. Ich interessiere mich für Trends und Digitalisierung und in dem Sinne möchte ich gerne uptodate bleiben und meinem Unternehmen helfen auch am Puls der Zeit zu bleiben und zwar mit einem ausgewogenen Verhältnis von Technikbegeisterung auf der einen Seite und Bewusstsein für Fragen des Datenschutzes und/oder Privatsphäre und Sicherheitsaspekten auf der anderen Seite.

Zuletzt: haben Sie einen Tipp für Jugendliche, die sich für ein Studium oder eine Ausbildung im Bereich Informatik interessieren?

Nehmt euch kleine Projekte vor und setzt die um. Bestenfalls in einem festen Zeitrahmen und mit anderen. Sucht nach Projekten, besucht den Chaos Communication Congress, tretet irgendeinem Verein bei, macht bei Wettbewerben mit. Praxis ist einfach alles. Da lernt man am meisten und schnellsten. Nutzt Möglichkeiten wie den Girls’ Day oder Schülerpraktika. Traut euch. Stellt Fragen!

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Ihr erreicht Patricia auf Twitter, auf Facebook und auf Instagram. Und natürlich auf ihrem Blog wo ihr noch eine Reihe weiterer Links zu ihrem Schaffen findet.

Termine
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28.08.2018 bis 19.06.2019

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